Sie nannten ihn Buddha

Buddha

Als alles anfing, lernte ich viel über ihn. Ich war damals noch allein mit ihm in diesem kleinen Hinterzimmer. Ich schaute ihm immer zu, wie er über den Schreibtisch gebeugt Papiere las und schrieb, manche in Aktenordner verstaute und andere dem Papierkorb übergab. Er schaute mich dann jedes Mal an, und dann wurde er so schön ruhig und sanftmütig. Er hatte immer nette Worte für mich. Manchmal roch es nach Tee, das sorgte für eine besinnliche Stimmung. Ich war glücklich.

Als ich dann einen Raum weiter gebracht wurde, lernte ich viel über mich. Sie redeten von meiner Ausstrahlung, meine ruhige Art, meinen Sanftmut und meine Weisheit. Ich spürte, dass ich etwas ganz besonderes war. Ich brachte den Leuten den Frieden, nach dem sie sich sehnten. Ich brachte ihnen Glück und Zufriedenheit, allein durch meine Präsenz. Manchmal wurden neben mir Räucherstäbchen angezündet. Das verstärkte meine Kraft anscheinend noch. Man verehrte mich. Ich war stolz.

Als das Geschäft dann richtig gut lief, lernte ich viel über das Wetter. Man stellte mich vor die Tür. Ich lernte Sonne kennen, aber auch Schnee und Regen. Ich hoffte erst, all den Leuten hier draußen ebenfalls Frieden und Glück bringen zu können. Doch hier beachtete mich niemand, jeder ging an mir vorbei, ohne mich eines freundlichen Blickes zu würdigen oder nette Worte für mich übrig zu haben. Und dabei schienen sie es doch so nötig zu haben. Ich war einsam.

Manche Leute gehen traurig in das Geschäft hinein, und wenn sie wieder heraus kommen, dann drehen sie sich um und lächeln. Aber sie schauen nicht mich an, sondern sie schauen in das Geschäft hinein. Manchmal frage ich mich, welche Statue meinen Platz eingenommen hat, um die Leute jetzt friedlich und glücklich zu stimmen. Es macht mich traurig und wehmütig.

Aber ich hoffe und vertraue auch.

Vielleicht stellt man mich eines Tages wieder an einen Platz, an dem ich den Menschen Glück und Frieden bringen kann. Oder vielleicht auch nur ihm. Damals, in dem kleinen Hinterzimmer, der Geruch von Tee. Ich denke oft an diese unvergesslichen Momente.

Ich bin Buddha. Und wenn Ihr mich wieder braucht, dann werde ich für Euch da sein.

Glück und Frieden!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.