Laika – der Hund, um den es in dieser Geschichte geht

Laika

Ich erinnere mich noch genau daran, als alles Liebe war. Wir Hunde kuschelten uns ständig eng aneinander, Eltern und Geschwister, und manchmal nahm uns der Große Alte zärtlich hoch und redete sanft mit uns. Er war so groß, seine warmen Hände umschlossen mich fast vollständig und streichelten mich behutsam. Und ich fühlte mich unendlich geliebt und geborgen. Ich war gut. Dann gab mich der Große Alte eines Tages fort. Ich verstand nicht warum. Hatte ich etwas falsch gemacht? ...

24. Dezember 2019 · 5 Minuten · 1035 Wörter · Marten Steppat
Holzfigur, stellt Franz von Assisi dar

Alles spricht

Amarandhus sammelte auf seiner Pilgerfahrt unfreiwillig Erfahrungen über essbare Pflanzen, nachdem er feststellen musste, dass sein Reiseproviant, welchen er in seinem Rucksack wähnte, von Meister Fuchs gegen Steine ausgetauscht worden war. „Bestimmt hat das wieder irgendeine symbolische Bedeutung, nutzlose Steine im Rucksack mit sich herumzutragen“, kommentierte der glatzköpfige Mönch des Canidaer Ordens der heiligen Einfältigkeit im sarkastischen Tonfall, während er sein Gepäck Stein um Stein verschlankte. Nur eine leere Schale, ein Brennbogen und etwas Zunder blieben in seinem Gepäck zurück, und so musste sich Amarandhus an unbekannten Pflanzen probieren, um seinen Hunger zu stillen. Am Abend hatte er genug Pilze gesammelt, um sich davon ein kleines Süppchen zu kochen. Zum Glück war er schon immer geschickt mit dem Brennbogen gewesen. ...

19. Juni 2019 · 3 Minuten · 571 Wörter · Marten Steppat
großer Bär

Der letzte Riesenbär

Kapitel 1 – Das Monster und das kleine Mädchen Daioo war der letzte der Riesenbären. In den ersten Sonnenstrahlen des Tages saß er auf seinem Felsen und pflegte sein graues, von Narben durchzogenes Fell. Riesenbären waren nicht einfach nur besonders große Bären. Unter ihrem feuerfesten Fell hatten sie einen Panzer aus natürlich verstärkten Hautplatten, ihre Zähne waren länger und stärker als die von normalen Bären und ihre Krallen durchschnitten einfach alles, auch ohne die gewaltige Kraft, die zusätzlich dazu in den Muskeln dieser Wesen steckte. Weder Eis noch Feuer konnten ihnen etwas tun und sie schienen jahrelang schlafen zu können, ohne etwas zu essen. Man vermutete sogar, dass Riesenbären Drachenblut in sich trugen. ...

16. Juni 2019 · 11 Minuten · 2150 Wörter · Marten Steppat
ein Affe, nicht gerade glücklich schauend

Der doofe Affe

Verärgert wachte Limbo auf. Die Sonne schien, was ihm gar nicht passte. Eulen waren nachtaktiv und hatten am Tag zu schlafen. Doch Erschütterungen gingen durch seinen Baum und laute Geräusche drangen an sein Ohr. Er beugte sich vor, um der Wurzel des Übels auf den Grund zu gehen. Er machte große Augen. (Das machen Eulen eigentlich immer.) Überrascht wurde er Zeuge, wie ein Affe seinen Kopf immer wieder gegen den Baumstamm schug. Limbos Ärger war für einen Augenblick verflogen. Neugierig hüpfte er ein paar Äste herunter. Dann schaute er nochmal. Tatsächlich, ein Affe. Und noch immer schlug er seinen Schädel gegen den Stamm von Limbos Baum. Die Eule hüpfte noch ein paar Äste tiefer und räusperte sich, um die Aufmerksamkeit des Affen auf sich zu lenken. Doch vergeblich. ...

8. Juni 2019 · 5 Minuten · 973 Wörter · Marten Steppat
ein viktorianisch eingerichtetes Speisezimmer

Dr. Ferrow

Ko-Existenz und ihre Bedingungen Endlich hatte Tenwald sich getraut, einen Psychognomanten aufzusuchen, um seine Ängste behandeln zu lassen. Psychognomantie war nun bereits seit Jahrzehnten anerkannt als die höchste Form, praktisch die Endstufe sowohl der Psychologie, der Psychotherapie wie auch der Psychiatrie. Seelenheilkunde in Perfektion und Vollendung. Und Doktor Ferrow war ein bekannter Experte auf dem Gebiet. Es war äußerst schwer, überhaupt einen Termin bei ihm zu bekommen. Schon deswegen war er Tenwalds einzig logische Wahl. ...

26. Oktober 2018 · 6 Minuten · 1248 Wörter · Marten Steppat
Regale in einem Supermarkt

Leere Regale und Public Relations

Die Kamera fährt durch den Laden. Immer wieder schwenkt sie in ein leeres Regal. In jedem leeren Regal steht ein Schild, auf dem steht „so sehen unsere Regale ohne die Hilfe von Ausländern aus“. Nur auf Entfernung und unscharf sieht man kurz, wie sich ein paar Menschen das wenige regional angebaute Obst und Gemüse mit dem Bio-Siegel in den Einkaufswagen legen. Die Kamera hält am leeren Regal, in dem vor kurzem noch die vielen Süßigkeiten gelegen hatten. Ein einsames, kleines Schild an dem Regal. Die Kamera zoomt heran: „Schokolade“. ...

15. Juli 2018 · 4 Minuten · 791 Wörter · Marten Steppat
zwei Cobras nebeneinander als Sinnbild für Zwischenmenschliches

Zwischenmenschliches

Das Gespräch ging jetzt schon eine Weile in der gleichen Art und Weise. „Wie ich das an Dir hasse“, sagte sie geradezu inbrünstig angeekelt und unterstrich ihre Aussage mit einer entsprechenden großen Geste. Er hätte gedacht, eine solche Aussage ließe ihn kalt, doch es war doch ein Stich ins Herz, und ein Schauder lief ihm über den Rücken. „Was?“, rief er zudem vollkommen überrascht aus. „Ich mache das doch erst, seitdem Du gesagt hast, Du fändest es niedlich!“ Mit verzerrter Miene streckte sie nur die Zunge raus, um ihrem Ekel noch mehr Ausdruck zu verleihen. ...

1. Juli 2018 · 2 Minuten · 408 Wörter · Marten Steppat
zwei Kühe nebeneinander auf der Wiese

Von Achtsamkeit und Freiheit

Dieser Kurs in Achtsamkeit war eine Offenbarung gewesen. Ich spürte die Maschine unter mir wie nie zuvor. Die gewaltige, kontrollierte Kraft unter meinem Arsch, eine fast gezähmte Killer-Maschine, bewegte mich mit Leichtigkeit schnell und sicher über den Asphalt. Geil. Ich nahm die Vibrationen unter mir wahr, den Wind um mich herum, das Adrenalin in meinem Körper. So geht Freiheit! Schön durch das kleine Örtchen flitzen. Am Rande meiner Wahrnehmung nahm ich die Idylle wahr, wie sie verschwommen an mir vorbei zog. Früher war das alles ein unwichtiges Grün für mich, der Beachtung nicht weiter wert. Jetzt stachen aus der Verschwommenheit immer wieder klar und deutlich Bäume heraus, Pferde, Menschen. Ich hatte das Gefühl, das nächste Mal vielleicht schon jeden einzelnen Grashalm sehen zu können. Landluft. Ich spürte, wie mein Gesicht ganz von selbst ein Grinsen formte. ...

27. April 2018 · 4 Minuten · 792 Wörter · Marten Steppat
ein Schutzanzug mit Gasmaske - dystopisch

Neuanfang

Ludwig verließ den Raum, der ihm gleichermaßen als Labor und Werkstatt diente. Heute morgen schon hatte er ein weiteres Radio in Gang gebracht. Der Wertstoffsammler hatte das Gefühl, dass heute ein ganz großer Tag werden würde. In seiner Fantasie hingen Kronleuchter von der Decke, die das Haus erhellten. Bequeme mit Stoff überzogene Möbel standen im Wohnzimmer. „Ich bin so froh, dass ich Dich hab, mein kleiner Engel“, sprach er in Gedanken. ...

13. April 2018 · 4 Minuten · 722 Wörter · Marten Steppat
zwei Rehe auf der Wiese

Interfaces

2118 A.D. Nach meiner Arbeit gehe ich gerne in den Wildtier-Park am Wald und beobachte die Wild-Fütterung. Ich mag die Schnittstellen, an denen sich die Zivilisation und die Wildnis treffen. Als Software-Entwickler brauche ich auch den Ausgleich in der Natur. Ich freue mich über die gesellschaftliche Errungenschaft, dass man heutzutage seinen Job mit seinen persönlichen Interessen und Tätigkeiten kombiniert. So tut jeder, was er gut kann für das, was ihn interessiert. ...

13. März 2018 · 3 Minuten · 464 Wörter · Marten Steppat