Linux, das Betriebssystem der Freiheit?
Ein Aufschrei geht durch die Linux-Welt. Eine Funktion für die Altersverifizierung sorgt für Unmut. Warum?
Inhaltsverzeichnis
Ein Aufschrei geht durch die Linux-Welt.
Eine Funktion für die Altersverifizierung soll in alle Betriebssysteme eingebaut werden. Denn Brasilien und US-Staaten wie Colorado und Californien haben etsprechende Gesetze erlassen.
1. Die Frage, um die es geht
Es geht um die Frage: bist Du über 18?
Dafür sollst Du Dein Geburtsdatum im System hinterlegen.
Das System soll bei Bedarf an eine Website übermitteln können, ob Du über 18 bist.
Mehr nicht.
Doch der Aufschrei in der Linux-Community ist gewaltig.
Denn es geht hier um die Frage, ob es bei einer Abfrage bleibt, ob Du über 18 bist oder nicht, oder ob hier ein Kaskadeneffekt geplant ist:
Hast Du Dich an diese Abfrage gewöhnt, dann wirst Du vielleicht damit konfrontiert, dass jetzt eine Abfrage erforderlich wird, ob Du über 13, über 18 oder über 20 bist – je nach Service, den Du nutzen willst. Im nächsten Schritt braucht der Internet-Service dann doch das genaue Geburtsdatum. Schon haben wir ein deutliches Identifizierungsmerkmal.
Du wirst identifizierbar, überwachbar, Deine Spuren verfolgbar.
Und wie geht es dann weiter? Welche persönlichen Daten soll Dein Betriebssystem demänchst noch standardmäßig im Internet freigeben? Braucht es vielleicht bald Fingerabdruck und Gesichtserkennung, nur um Dein Betriebssystem benutzen zu dürfen?
Dies ist vielleicht der erste Schritt in die Totalüberwachung.
Die Salamischeiben-Taktik. Ein kleiner Schritt nach dem anderen. Und jeder Schritt so klein, dass viele sagen werden "es lohnt sich nicht, sich darüber aufzuregen".
Doch Linux-Nutzer sind Linux-Nutzer, weil Freiheit zu ihren höchsten Werten zählt.
Sie spüren die drohende Gefahr, wo jeder andere noch mit den Schultern zuckt.
Es gibt ein Stück Software in der Linux-Welt ("systemd"), in welcher die Entwickler die Möglichkeit für eine Altersverifizierung bereits umgesetzt haben. Optional! Niemand wird gezwungen. Aber die Möglichkeit wurde hier angestoßen.
Trigger!
Die erste Stange eines zukünftigen Käfigs? Sie steht nur im Raum, ist nicht mal gesockelt. Noch nicht!
Nun, es gibt aber Alternativen zu dieser Software (sysVinit, runit, openRC), welche diesem Aufruf nicht folgen – und Linux-Nutzer wechseln jetzt täglich zu diesen Alternativen.
Das ist unbequem, aber – der große Vorteil von Linux – möglich!
Und dass es passiert, zeigt die Eigenverantwortung, die Linux-Nutzer an den Tag legen.
"Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!" (Berthold Brecht)
2. Ich finde das großartig!
Auch ich bin ein Linux-Nutzer der Freiheit wegen.
"Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts zu befürchten."
Wir wissen inzwischen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht.
Unsere Privatinformationen machen uns berechenbarer, angreifbarer, manipulierbarer.
Richtig teure Maschinen arbeiten täglich rund um die Uhr daran, unsere Informationen zu erlangen, sie auszuwerten und Resultate an Wirtschaft und Politik auszuspucken, wie wir denken und wie unser Denken gelenkt werden kann. Da kannst Du mal sehen, wie wertvoll Deine Daten sind.
Deswegen sind soziale Medien scheinbar kostenlos: sie kosten uns "nur" die persönlichen Daten, mit denen wir diese Netzwerke freiwillig füttern.
Sei achtsam, wo man beginnt, einen Käfig um Dich herum zu bauen, auch wenn die Stangen noch nicht alle stehen, die Tür noch gar nicht eingehängt ist. Und dann offen ist. Und dann immer noch kein Schloss drin ist. Und Dich der Wächter immer noch raus lässt. Wenn man ihn darum bittet. Wenn man das Passwort kennt. Wenn man ja nur tun muss, was einem gesagt wird…
Darum zu kämpfen seine Freiheit zu behalten, ist leichter, als später darum kämpfen zu müssen, sie wiederzuerlangen.
Linux bleibt das Betriebssystem der Freiheit, so lange achtsame Entwickler dafür sorgen.
An dieser Stelle einen großen Dank an alle achtsamen Entwickler.
Linux bleibt das Betriebssystem der Freiheit, solange achtsame Nutzer die richtigen Entscheidungen treffen. Jeder ist immer gefragt.
Und das heißt, man muss jetzt auch im Sektor "freie Software" genauer hinsehen.
Und das finde ich gut, denn:
"Ewige Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit." (Wendell Phillips)
Und es ist hilfreich, wenn die Wachsamkeit immer wieder angetriggert wird, damit wir nicht einschlafen.
P.S.: Gerüchten zufolge lässt sich die Spur zurückverfolgen zu einem großen Konzern, der Druck auf die Politik ausübt, um diese Gesetze voranzutreiben. Warum? So lassen sich Marketing-Kampagnen besser an die richtigen Menschen richten (targeting), was mehr Geld für das Unternehmen bedeutet, welches diese sensiblen Daten besitzt.