Was ist Org Mode?

Org Mode (oder org, oder org-mode) ist ein in Emacs enthaltenes Softwarepaket, welches Deinem Text Flügel verlieht.

Das Textformat bleibt reines Textformat, genau wie bei Markdown. Aber bestimmte Zeichen und Codes verleihen dem Text mächtige Eigenschaften, mit denen Du arbeiten kannst.

Wie erstelle ich eine Org-Datei?

Entweder nennst Du eine Datei “name.org”, fügst also einfach die passende Endung an Deinen Text, oder Du öffnest eine beliebige Text-Datei in Emacs, drückst M-x (“M” steht für Meta und ist meistens die “Alt”-Taste) und tippst “org-mode” ein, damit der Modus aktiviert wird.

Falls Du Emacs bereits auf Deinem Computer hast, kannst Du den folgenden Text einfach kopieren und eine neue Datei (z.B. “test.org”) erstellen. Die Endung “.org” sorgt dafür, dass der org-mode automatisch aktiviert wird. Die besonderen Zeichen und Codes entfalten dann umgehend ihre Zauberkraft.

Wir gehen sie gleich mal durch.

#+title: Dies ist der Titel des Textes
#+filetags: :wichtig:

normaler Text, *fett*, /kursiv/, _unterstrichen_, +durchgestrichen+

* Überschrift 1
** Überschrift 2
*** Überschrift 3
:Schublade:
Dieser Text kann einfach ein- und ausgeklappt werden, wie eine Schublade.
Einfach mit dem Cursor auf "Schublade" stehen und die Tab-Taste drücken.
:END:

- Listenpunkt
- Listenpunkt

1. Listenpunkt, nummeriert
2. Listenpunkt, nummeriert

* DONE wichtiges Ereignis    :privat:
* TODO wichtiges Treffen    :business:
- [ ] Checkbox 1
- [ ] Checkbox 2

Link zu meiner Linux-Datei: [[file:linux.org][linux]]

Link zu meinem Dateiordner: [[file:org keys custom.org][ordner]]

| Links | Mitte  | Rechts |
|-------+--------+--------|
| Hund  | Katze  | Maus   |
| groß  | mittel | klein  |

Das sind Basics. Org kann mehr, als ich hier zeige. Viel mehr. Vor allem können weitere Tools mit dieser Datei arbeiten, zum Beispiel die org-agenda, mit der Du Deine Termine, Pläne und TODOs verwalten kannst.

Doch eins nach dem anderen.

Was mache ich in einer Org-Datei?

Titelei

Hier haben wir einen Titel stehen. Der spezielle Syntax “#+title: name” bezeichnet den offiziellen Titel Deiner Datei.

Das “#+filetags: :wichtig:” versieht die gesamte Datei mit dem Schlagwort “wichtig”. Man könnte das später benutzen, um nach Schlagwörtern zu sortieren, zu suchen uvm.

In der Titelei ist viel mehr möglich, aber bleiben wir bei den Basics.

Formatierungen

Setzt Du vor und nach einem Wort ein Sternchen, dann wird es fett. Du siehst selbst die Beispiele im Code oben, welche Formatierungen Du vornehmen kannst. Die Liste ist nicht vollständig, wir wollten ja bei den Basics bleiben.

Je nach Konfiguration wird das Wort auch direkt fett angezeigt. Du kannst zusätzlich einstellen, ob die Sternchen (oder die anderen Formatierungszeichen) dann noch angezeigt werden sollen, oder ob Du nur das Wort in fett sehen willst. Die Sternchen werden dann vom Org Mode verborgen (aber sie sind noch da).

Überschriften

Setzt Du ein Sternchen * an den Anfang einer Textzeile, so wird sie als Überschrift behandelt. Je nach Konfiguration wird der folgende Text dann auch eingerückt.

Zwei Sternchen ** sind eine Überschrift der zweiten Ordnung, usw.

Mit der Alt-Taste und den Pfeiltasten links/rechts lässt sich die Überschriftenordnung schnell verändern. Du kannst also eine Überschrift mit einem Sternchen erzeugen und drei Male Alt+Rechts drücken, um eine Überschrift der vierten Ordnung zu erzeugen. Oder umgekehrt.

Listenpunkte

ein Minus - kennzeichnet einen Listenpunkt. Willst Du diese Datei z.B. später in eine Website, ein PDF oder ein Office-Dokument umwandeln, dann wird das Minus in ein Bulletpoint verwandelt, wie man es sich vorstellt.

Das gilt ebenso für nummerierte Listen. Schreibst Du Deinen Listenpunkt und drückst am Ende der Zeile M-RET (also Alt + Return/Enter), dann entsteht in der nächsten Zeile automatisch ein neuer Spiegelstrich oder die nächste Nummerierung.

Checkboxen

Die Spiegelstriche mit den folgenden eckigen Klammern sind Checkboxen. Du kannst Dir gerade nicht vorstellen, dass Checkboxen in einem reinen Textformat anklickbar sind? Korrekt. Aber standardmäßig kannst Du “C-c C-c” drücken, um sie anzukreuzen [x] oder das Kreuz wieder zu entfernen [ ].

magische Tastenkombination

“C-c C-c” bedeutet, die Ctrl-Taste festzuhalten (auf Deutsch meist als “Strg” gekennzeichnet) und dabei zweimal auf das “c” zu drücken. Also “Strg+c und Strg+c” direkt hintereinander. Diese Tastenkombination hat viele verschiedene Wirkweisen im Org Mode, aber auf einer Checkbox bewirkt es immer das Ankreuzen oder das Entfernen des Kreuzes. Du kannst auch einfach manuell ein “x” zwischen die Klammern setzen, für Org Mode macht das keinen Unterschied.

TODOs

Eine Überschrift, welcher das Zauberwort “TODO” folgt (muss großgeschrieben sein), wird zu einem TODO. Das Wort TODO erscheint vermutlich farbig. Man kann es nun mit Shift-Taste (die “Großschreib-Taste”) und Pfeiltaste links/rechts umwandeln, z.B. in “DONE” für erledigt.

In der Konfigurationsdatei kannst Du festlegen, ob es noch weitere Status-Begriffe geben soll, zwischen denen Du hin und her wechseln kannst.

Mit Shift und Pfeiltasten hoch/runter kannst Du die Priorität ändern, standardmäßig gibt es die Prioritäten [#A], [#B], [#C] und keine besondere Markierung für keine besondere Priorität. Die TODOs mit gesetzter Priorität werden in der Org Agenda dann höher angezeigt.

TODOs können noch mehr: man kann Checkboxen hinzufügen, um einzelne Schritte darzustellen, die es zum Erreichen des Ziels benötigt, man kann ein Datum hinzufügen, an welchem diese Aufgabe angegangen werden soll (“scheduled”) und/oder ein Datum, zu welchem die Aufgabe erledigt sein soll (“deadline”).

(Übrigens können auch Überschriften mit Zeitstempeln versehen werden, um beim Aufruf der Org Agenda am entsprechenden Datum aufgelistet zu werden.)

Schlagworte: “tags”

Jede Überschrift (und damit jedes TODO) und wie wir an der Titelei gesehen haben auch jede Datei lässt sich mit Schlagworten versehen, also markieren.

Nach diesen Schlagworten kann man später suchen, sortieren, filtern. Sie werden auch in der Org Agenda angezeigt.

Schlagworte sind einfach ein cleveres System, um Überschriften (bzw. die zugehörigen Texte) überschriften- und dateiübergreifend thematisch in Bezug zu setzen. Es ist ein zusätzliches Ordnungssystem, auf das man zurückgreifen kann, wenn man möchte. Und wir möchten.

Tags werden “vererbt”. Alle Überschriften erhalten die tags, die für die Datei definiert wurden. Jede Unter-Überschrift einer höherstufigen Überschrift erhalten automatisch das entsprechende tag.

Links in reinem Textformat, wer hätte das für möglich gehalten? Du kannst Links zu Websites setzen, zu Dateien, zu Ordnern, zu IDs (gehört nicht mehr zu den Basics) und andere Links.

Möglich macht es der “Code”: [[eigentlicher Link][Beschreibung]]

Im Org Mode kannst Du einen Link setzen durch “C-c C-l”, oder Du schreibst den “Code” selbst. Emacs fragt Dich dann nach dem Link (also Adresse der Website, Datei oder Ordner) und dann nach einer Beschreibung.

Lässt Du die Beschreibung leer, dann wird der Link so angezeigt, wie er ist. Vergibst Du eine Beschreibung, dann steht diese an Stelle des Links da, in Blau und unterstrichen.

Mit Mausklick (wenn Emacs als grafische Oberfläche läuft) oder mit der Tastenkombination “C-c o” (also erst Strg+c, dann “o” ohne die Strg-Taste gedrückt zu halten) kannst Du den Link dann aufrufen.

Auf diese Weise kannst Du Deine Dateien untereinander verlinken oder interessante Websites speichern, die Du vielleicht nicht oder nicht nur in einem Browser gespeichert wissen willst.

Du kannst Dir über Links ein eigenes Wiki auf Deinem Computer aufbauen. Dazu empfehle ich jedoch zusätzliche Pakete. Hierzu gibt es je nach Geschmack verschiedene Möglichkeiten. Ich empfehle, mindestens denote und org-node auszuprobieren. Ich habe lange mit denote gearbeitet, bin aber bei org-node gelandet.

Tabelle

Einfach eine Tabelle “malen” mit Minuszeichen und der sogenannten “Pipe”, dem senkrechten Strich. (Meist erreichbar auf der Taste, auf der Du auch die spitzen Klammern “<” und “>” findest und die Taste zusammen mit “AltGr” bedienst.)

Hast Du die erste Zeile Deiner Tabelle “gemalt”, dann reicht ein Druck auf die TAB-Taste für ein Wunder: die Tabellenzellen werden bei Bedarf ausgerichtet und eine zweite Tabellenzeile entsteht, bereit, befüllt zu werden.

Wird eine Spalte in der zweiten Zeile länger als in der ersten Spalte, macht das gar nichts. Org Mode passt die gesamte Tabelle beim nächsten Druck auf TAB an.

Exportierst Du Deine Datei später als Website oder als PDF, dann wird aus der Strich-Tabelle eine “echte” Tabelle, wie Du sie eben von Websites und PDFs womöglich kennst.

Tabellenspalten können links/rechts/mittig ausgerichtet werden. Du kannst Zwischenzeilen einfügen, wie oben im Code zu sehen. Einfach eine Pipe und ein Minus reichen aus, um mit Druck auf TAB die Zeile komplett vervollständigen zu lassen.

Der Profi kann hier Summen ausrechnen lassen und Formeln einfügen, ähnlich wie in anderen Tabellenprogrammen. Für die Basics reicht es uns, schicke Tabellen für die Darstellung interessanter Daten nutzen zu können.

Schubladen

Es gibt Texte, die will man als Anmerkung unterbringen, aber nicht ständig zu Gesicht bekommen. Dann verstaut man den Text in einer Schublade. Oben in der “Test-Datei” heißt die Schublade tatsächlich “Schublade”, aber sie kann jeden beliebigen Namen haben.

Wichtig ist nur, dass der Name der Schublade zwischen :Doppelpunkten: steht und mit einem :END: abgeschlossen wird. Steht der Text-Cursor auf dem Titel der Schublade, dann kann man sie mit TAB auf- und zuklappen.

Schubladen funktionieren nur direkt unter Überschriften (und TODOs, die ja auch nur als Überschriften funktionieren).

Eine hilfreiche Funktion: Stehst Du mit dem Text-Cursor auf einer Überschrift, kannst Du mit “C-c C-z” automatisch eine Schublade dazu erzeugen. Sie heißt dann erstmal LOGBOOK und ein spezielles Fenster öffnet sich, in welchem Du den Text eingibst. Bist Du fertig mit dem Text, drückst Du das berühmte “C-c C-c”, um den Text in die Schublade einzufügen. Den Namen der Schublade kannst Du jederzeit ändern.

Das war nur der Anfang

Es ist noch viel mehr im Org Mode möglich. Und später lässt sich damit weiterarbeiten, auch über die Datei hinaus – wie schon angedeutet mit der noch mysteriösen Org Agenda, auf das wir hier erstmal nicht weiter eingehen.

Für den Anfänger sind das nun schon viele Funktionen.

Jede Funktion ist übrigens in dem Hilfe-System von Emacs beschrieben und lässt sich über die Suchmaschine Deiner Wahl auch online weiter erkunden. Vor allem gibt es für so ziemlich alles, was Du im Org Mode machen willst, auch eine entsprechende Tastenkombination. Ich hab hier nur die wichtigsten genannt, um den Text lesbar zu halten.

Und trotz all dieser fantastischen Funktionen ist und bleibt Deine Datei im reinen Textformat. Öffnest Du die Datei mit einem anderen Texteditor, dann wird er nicht sagen, dass er sie nicht lesen kann. Er wird sie klaglos öffnen und genau so anzeigen, wie sie oben aussieht. Nur erkennt der Editor dann eben nicht, was eine Überschrift sein soll, eine Tabelle, oder dass die Schublade eingeklappt werden soll.

Das ist auch nur einer der Vorteile des reinen Textformates.

Ich hoffe, meine Begeisterung ist auf Dich übergesprungen und Du probierst Emacs und den Org Mode aus.

Fazit

Org ist seit geraumer Zeit fester Bestandteil von Emacs und muss nicht extra installiert werden, kann aber nach Deinen Vorstellungen konfiguriert werden.

Daher hier keine Aufforderung, Org Mode zu installieren.

Du musst nur Emacs installieren, schon kannst Du loslegen.

Daher:

Installiere Emacs. Jetzt. Hier.

Der Rest passiert fast von selbst.